Nest des Weißbart-Schattenkolibri

In Mitten eines Leks (Balzareal) – wir studierten hier das Balzverhalten der Weißbrust-Pipras – entdeckten wir ein Nest eines Weißbart-Schattenkolibris.

Fütterung eines Jungvogels

Das Nest befindet sich im tropischen Bergregenwald bei Altamira de Cáceres im Staat Barinas auf 900 Meter über dem Meeresspiegel, dem Übergang der Anden zur Steppenlandschaft der Los Llanos.

Das Nest befindet sich an der Spitze eines kräftigen Blatts einer Ingwerpflanze (COTUS) und hat die Form eines langgezogenen Trichters. Es ist aus dünnen Gräsern geflochten, misst 30 Zentimeter in der Länge und 10 Zentimeter an der breitesten Stelle und hängt 1,2 Meter über dem Boden. Die Öffnung ist etwas schmaler und wird vom Kolibriweibchen, wenn es sich rücklings in das Nest "hineinsetzt", komplett ausgefüllt.

Nest im Bergregenwald [zoom]
Muttertier sitzt auf dem Nest

Wir fanden das Nest, als wir das Muttertier beobachteten, und dieses immer wieder die selbe Ingwerpflanze ansteuerte. Im Nest befanden sich zwei Jungvögel. Die Mutter versorgte diese im Abstand von 2 bis 5 Minuten mit Nektar, den sie den Jungvögeln über ihre lange Zunge zufügte.

Bei diesem Nektar handelte es sich hauptsächlich um den Nektar der Paradiesblume (HELICONIA). Der Schnabel des ausgewachsenen Weißbart-Schattenkolibri ist ideal geformt, um in die Blüten der Heliconia vorzudringen. Die Zunge fährt dabei in den Trichter, um den Nektar auszuschlecken.


Wie auch verschiedene andere Kolibriarten machen Weißbart-Schattenkolibris bis zu 80 Flügelschläge pro Sekunde. So können sie in der Luft "stehenbleiben" und den Nektar der Blüten aufnehmen. Im Gegenzug sorgen die Kolibris bei dieser Nahrungsaufnahme für die Bestäubung einiger Pflanzen.

Im Gegensatz zu territorialen Kolibris, die sich auf nur einen Strauch oder Baum konzentrieren und diesen verteidigen, wie beispielsweise die Amazilien, ziehen Schattenkolibris auf der Suche nach Nektarquellen zu verschiedenen Pflanzen. Zudem bilden Insekten eine wichtige Proteinquelle. In Altamira handelt es sich in erster Linie um Essigfliegen, die der Weißbart-Schattenkolibri im Flug schnappt.

Text: Joe Klaiber
Fotos: Dirk Klaiber
Nest Weissbart-Schattenkolibri

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